1993-2013

die legende des gridone

Wie der Berg zu seinem Namen kam

Vor vielen Jahren zankten die Einwohner von Losone und Golino wegen der Bestimmung des Grenzgebietes zwischen den beiden Gemeinden. Man entschloss sich den ältesten, weisesten und aufrichtigsten Bewohner der zwei Ortschaften auszuwählen und ihn als Richter für die Lösung dieses Streitfalls einzusetzen. Die Wahl traff auf einen alten Mann aus Losone, der seine Schuhe mit der Erde seines Dorfes füllte, diese anzog und sich auf den Weg Richtung Golino machte. Ab und zu wiederholte er: Die Erde die ich trete gehört meinem Dorf und er lügte nicht, denn er hatte Losones Erde in seinen Schuhen. Er gelang auf diese Weise bis zu einem Bach, der nun Losone von Golino trennt, und ergatterte somit ein gutes Stück Land, das eigentlich zu Golino gehört hätte. Dieses Grenzgebiet nennt sich Terrasca (terra = Erde).
Einige Zeit später starb der alte Mann, und seine Seele wurde wegen seiner bösen Tat dazu verdammt in dieser Gegend wie ein unheilvoller Geist umherzustreichen. Die Leute fürchteten diese Strecke so sehr, dass sie sie nicht mehr überschreiten wollten, und auch die Tiere ergriffen mit weiten Sprüngen die Flucht. Aus diesem Grund wurde das Grenzgebiet im nachhinein gesegnet, und die verdammte Seele des alten Mannes wurde auf die Felsen und Steilabhänge des Gridone gebannt, von wo aus man sie ab und zu noch schreien hört (gridare = schreien). Diese Schreie hört man häufig, vor allem Richtung Cavigliano, eine Ortschaft die sich direkt diesem Berg gegenüber befindet. Es handelt sich dabei um ein Echo oder um ein natürliches Resonanzphänomen. Diese Legende gab dem Berg seinen heutigen Namen: Gridone (grosser Schreier).


Walter Keller